Impfstoff gegen Pneumokokkus
Der proteinbasierte Impfstoffkandidat ist aus Intercells Antigen Identifikationsprogramm (AIP®) hervorgegangen. Er basiert auf ausgewählten Antigenen, die sich unter klinischen Isolaten des Bakteriums als außergewöhnlich konserviert erwiesen haben.
Eine klinische Phase I-Studie wurde 2009 gestartet. In der aktuellen Phase I-Studie (First-in-Man-Studie), wurde der Impfstoffkandidat 32 gesunden Erwachsenen verabreicht, um Sicherheits- und Immunogenitätsdaten zu gewinnen. Die erste Analyse der Daten ergab ein gutes Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil des Impfstoffkandidaten. Dies wurde durch das "Data Safety Monitoring Board" bestätigt. Das Vakzin war immunogen, eine Antikörperinduktion wurde bei allen drei Protein-Antigenen in Abhängigkeit zur verabreichten Antigendosis beobachtet.
Der Auswahlprozess der Antigene wurde im Januar 2008 im Journal of Experimental Medicine beschrieben. Die zwei führenden Antigenkandidaten erwiesen sich als hervorragend konserviert unter klinischen Isolaten (>99,5 % Identität). In lebensbedrohlichen Sepsis- und Pneumonie-Modellen bieten diese Antigene übergreifenden Schutz gegen verschiedene Serotypen. Außerdem wirken sie sowohl bei älteren Menschen als auch bei Kleinkindern immunogen und spielen bei der bakteriellen Vermehrung eine wesentliche Rolle. Die Autoren berichteten zudem erstmals von einer opsonophagozytischen abtötenden Wirkung von Antikörpern, die durch proteinöse Pneumokokken-Antigene hervorgerufen werden, was für potentielle Surrogatmarker in klinischen Studien ein viel versprechendes In-Vitro-Assay darstellt.
Hauptzielgruppen für den neuartigen Impfstoff sind Kinder in Entwicklungsländern – dieses Programm wird durch die Non-Profit-Organisation PATH (USA) finanziell unterstützt – sowie ältere Erwachsene in der industrialisierten Welt.
Über Streptokokkus pneumoniae
Streptokokkus pneumoniae oder Pneumokokkus bezeichnet ein gram-positives, eingekapseltes Bakterium, das für die meisten bakteriellen Infektionen sowohl in Entwicklungs- als auch in Industrieländern verantwortlich ist. Der Erreger ist weltweit der häufigste Verursacher von Lungenentzündungen. Auf ihn sind die meisten Fälle von bakterieller Meningitis bei Erwachsenen zurückzuführen, ebenso der überwiegende Teil von Bakteriämie, Lungenentzündungen, Meningitis und Mittelohrentzündungen bei Kindern. Bei älteren und immunsupprimierten Personen verursacht der Erreger Infektionen, die zum Tod führen können. Bei Kindern unter 5 Jahren stellt er die häufigste durch Impfstoffe vermeidbare Todesursache dar.
Das Bakterium ist von einer schützenden Polysaccharidkapsel umgeben, das für die Pathogenität ausschlaggebend ist. Diese Polysaccharidkapsel weist ganz unterschiedliche Zusammensetzungen auf; bisher wurden bereits über 90 Serotypen analysiert. Aktuelle Daten zu Pneumokokkeninfektionen bei Säuglingen deuten darauf hin, dass die 11 häufigsten Serotypen für mindestens 75 % der invasiven Infektionen verantwortlich sind. Die Verbreitung der Serotypen ist abhängig von Alter, Art der Erkrankung und geografischer Region. Das macht die Impfstoffentwicklung besonders schwierig.
Vorbeugung und Behandlung
Invasive Erkrankungen durch Pneumokokken werden üblicherweise mit Antibiotika behandelt. Durch verschiedene, widerstandsfähigere Pneumokokken-Stämme, die in den letzten Jahren vermehrt aufgetreten sind, gestaltet sich die Behandlung der Krankheit zunehmend schwieriger. Sogar unter Verwendung wirksamer Antibiotika-Behandlungen finden sich bei Patienten aus Risikogruppen Todesraten von bis zu 80 %.
Derzeit sind zwei Impfstoffe erhältlich, die für verschiedene Altersgruppen empfohlen werden. Ein siebenwertiger konjugierter Impfstoff (Prevnar / Wyeth) für Kinder unter 2 Jahren zielt auf sieben Serotypen von Pneumokokken ab. Es gibt auch einen 23-wertigen Polysaccharid-Impfstoff (Pneumovax / Merck), der für die Verwendung bei Erwachsenen zugelassen ist (empfohlenes Alter: 65+) und Kapselantigene von 23 der häufigsten Stämme beinhaltet. Diese Impfstoffe sind teuer und greifen nur eine begrenzte Anzahl der mehr als 90 verschiedenen Serotypen dieses Bakteriums an.
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