Impfstoff gegen Pseudomonas

2010 veröffentlichte Intercell die Ergebnisse einer klinischen Phase II-Studie mit dem Impfstoffkandidaten IC43 gegen hospitale Infektionen mit dem Bakterium Pseudomonas aeruginosa. Die klinische Phase II Studie erreichte primäre Endpunkte hinsichtlich Immunogenität und Sicherheit. Eine signifikante Reduktion der Sterblichkeitsrate konnte in der mit dem Impfstoffkandidaten getesteten Gruppen im Vergleich zur Kontrollgruppe ebenfalls beobachtet werden.

An der randomisierten, placebokontrollierten klinischen Phase II-Studie nahmen rund 400 künstlich beatmete Intensiv-Patienten auf 33 Intensivstationen in 8 Ländern Europas und Lateinamerikas teil.
Hinsichtlich der Pseudomonas aeruginosa-Infektionsraten waren keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen zu erkennen. Dies ist vermutlich auf die relativ geringe Anzahl der untersuchten Fälle dieser Phase II-Studie zurückzuführen. Zur Validierung und Verifizierung der Wirksamkeit in Hinblick auf Infektions- und Sterblichkeitsrate sind noch umfangreichere klinische Untersuchungen mit spezifischem Studiendesign erforderlich.

Im April 2011 hat Intercell eine Vereinbarung mit Novartis bekannt gegeben, wonach die Entwicklung des Impfstoffkandidaten gegen Pseudomonas aerigunosa von Intercell in einer bestätigenden klinischen Wirksamkeitsstudie in beatmenten Intensivpatienten fortgeführt werden soll. Die geplante Doppelblind-Studie, die etwa 800 Patienten umfassen soll, ist darauf ausgelegt, eine klinisch relevante und statistisch signifikante Reduktion der Sterblichkeit in der Impfstoff- im Vergleich mit einer Kontrollgruppe zu zeigen. Die Studie soll im ersten Halbjahr 2012 starten und von Intercell durchgeführt werden, wobei die Kosten mit Novartis geteilt werden.

Als weiteres wesentliches Ziel wurde in der aktuellen Phase II-Studie geprüft, ob die Durchführung einer Pivotal-Studie zur Wirksamkeit in dieser komplizierten Zielpopulation machbar ist: Die Ergebnisse bestätigen die zuvor angenommene Anzahl an Pseudomonas aeruginosa-Infektionen. Die vorliegenden Ergebnisse bestätigen die Entwicklungsstrategie für den Intercell-Impfstoff gegen Pseudomonas aeruginosa und lassen den Schluss zu, dass eine pivotale Bewertung hinsichtlich der Wirksamkeit des Impfstoffs in künftigen Phase III-Studien möglich ist.

Intercells vorbeugender Impfstoff gegen Pseudomonas war in Phase II-Studien an Patienten mit Verbrennungen zweiten und dritten Grades sicher und hat erste Wirksamkeit gezeigt.

Der Impfstoffkandidat gegen Infektionen durch Pseudomonas wird mit Novartis entwickelt und basiert auf Antigenen, die von zwei Proteinen der Außenhaut von Pseudomonas aeruginosa stammen. Wie in bereits abgeschlossenen klinischen Studien gezeigt, hat die Phase II Studie des Impfstoffkandidaten von Intercell ein hervorragendes Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil gezeigt. Der Impfstoff erwies sich in allen getesteten Dosierungsstufen als hoch immunogen. Selbst bei Intensiv-Patienten, deren Immunsystem geschwächt ist, konnte eine starke humorale Antwort erzielt werden.

Eine der Hauptursachen für Krankenhausinfektionen

Pseudomonas aeruginosa (Pseudomonas) ist der zweithäufigste Verursacher nosokomialer Infektionen, insbesondere auf Intensivstationen. Betroffen sind vor allem Patienten, die künstlich beatmet werden. Oft kommt es zu Infektionen des Herzens, des Zentralen Nervensystems, der Atemwege sowie der Haut und Weichgewebe. Bei gesunden Menschen verursacht der sich aktiv bewegende und robuste gram-negative Bazillus selten Infektionen. Für Patienten mit geschwächter Immunabwehr stellt er jedoch eine signifikante Bedrohung dar. Dies gilt besonders für Patienten, die an schweren Verbrennungen, Krebs oder HIV leiden. Invasive Infektionen können auch auftreten, wenn die intakte Haut oder Schleimhautmembran beim Anlegen medizinischer Geräte wie Blasen- oder Venenkatheter beschädigt wird.

Krankenhausinfektionen sind weltweit einer der Hauptgründe für schwere Erkrankungen und Todesfälle. In Industrieländern resultiert daraus eine jährliche finanzielle Belastung von mehr als USD 20 Mrd. Allein in den USA und Europa infizieren sich jährlich etwa 6 Millionen Menschen; 140.000 davon sterben. Die Zahl der nosokomialen Infektionen, die durch medizinische Eingriffe hervorgerufen werden, steigt stetig; nicht zuletzt, weil die Bakterien, die in Krankenhäusern auftreten, gegen die meisten Antibiotika resistent sind.

Vorbeugung und Behandlung

Pseudomonas aeruginosa ist intrinsisch resistent gegen eine Vielzahl von Antibiotika in Konzentrationen, die in vivo erreichbar sind. Bei der Behandlung von Atemwegsinfektionen müssen die Antibiotika das bronchiale Epithel und die Bronchialsekrete penetrieren. Bei Patienten mit zystischer Fibrose und Bronchiektasie kann die Penetration aufgrund der Verdickung und Vernarbung der Bronchialwand erschwert sein.

Trotz des Einsatzes neuerer Breitbandantibiotika mit Wirkstoffen gegen Pseudomonas, darunter Cephalosporine, Fluoroquinolone und Carbapeneme, bleibt die Pseudomonas aeruginosa-Infektion auch weiterhin eine der Hauptursachen für Morbidität und Mortalität in Krankenhäusern. Derzeit werden verschiedene neue Ansätze in Studien untersucht, die sich unter anderem mit antibiotischer Inhalationstherapie, Wachstumsfaktoren und Impfstoffen beschäftigen. Ebenfalls erforscht werden passive immuntherapeutische Ansätze unter Verwendung menschlicher monoklonaler Antikörper.

Derzeit gibt es keinen zugelassenen Impfstoff, der Infektionen mit Pseudomonas aeruginosa vorbeugen kann.

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